"Als Überlebenskünstler und Schlingel, als „Chamulleros“ („Um-den-Finger-Wickler“), habe ich sie kennengelernt, die Argentinier. Endgültig von der Richtigkeit dieses Stereotyps überzeugt wurde ich, als ich einen weiteren argentinischen Volkssport kennenlernte, beliebt bei Alt und Jung im ganzen groβen Land, ob im Urwald im Nordosten, in den Anden im Norden, im Weinland im Westen, im weiten Patagonien, in der Haupstadt, an der Atlantikküste oder am Ende der Welt in Ushuaia.
Ob zu Hause, auf dem Weg in die Arbeit, am Wochenende, während man darauf wartet, dass das Fleisch auf dem Grill gar wird, ob auf dem Schulhof, in der Kantine oder im Park, ob beim Mate-, beim Bier-, oder beim Weintrinken: immer und überall wird „Truco“ gespielt.
„Truco“ bedeutet „Trick“ oder in diesem Zusammenhang vielleicht passender „Täuschung“ und ist ein Kartenspiel, gespielt mit einem spanischen Kartenset. Während des Spiels wird, im Gegensatz zu unseren Kartenspielen, die ganze Zeit über gesprochen, gedeutet, gezwinkert, mit den Schultern gezuckt, gewitzelt, vielleicht sogar erzählt, was man so in der Hand hat.
Ganz im Gegensatz zum Poker kommt es also nicht auf das berühmte starre „Face“ an, das nichts verraten soll, sondern es wird im Gegenteil die ganze Zeit sehr viel verraten - man kann sich nur nie sicher sein, ob es auch stimmt.
Flunkern ist eine Spielregel, falsch spielen Konzept. Wenn man es so betrachtet, hat man auch IMMER gute Karten, man muss sie nur gut zu verkaufen wissen. Und wenn man schon verliert, dann „con ganas“, „mit Lust“, dann erst recht setzt man alles (was man eigentlich nicht in den Karten hat) und schwindelt, was das Zeug hält.
Wenn vielleicht der Tango, das Asado, das Bild des Gaucho, der Fuβball, Matetrinken und das groβe Herz eines argentinischen Freundes den Argentinier noch nicht ausreichend beschrieben haben, so reicht nur das Zusehen oder gar Mitspielen bei einem „Truco“ und man weiβ, mit welch gewitzten, aber liebenswürdigen Lausbuben man es zu tun hat…"
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